Teil 1‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ 

––



Die meisten Menschen glauben, Copywriting sei dazu da, andere zu überzeugen. In Wahrheit ist es zuerst ein Instrument, das dich mit dir selbst konfrontiert.

Jeder Satz ist ein kleines Ultimatum:

Entweder er ist konkret, wahr und unverwechselbar, oder er ist ein Rauschen.

Als Beispiel:

Jemand liest dir sechs Wörter vor: „nahtloser Übergang, scherender Hengst, massiver Typ, einfach gesagt, Hundeleine.“

Welche drei bleiben hängen?

Du kennst die Antwort: schrender Hengst, massiver Typ, Hundeleine

Warum?

Weil du sie sehen kannst.

„If I can’t see it, it’s not there yet.“ – Lisa Cron

Das ist nicht nur ein Handwerkstipp.

Es ist eine Diagnose für dein gesamtes Denken. Abstrakte Sprache ist der Nebel, in dem Identität und Verantwortung verschwinden.

Konkrete Sprache ist das Licht, in dem du dich nicht mehr verstecken kannst.

Copywriting ist nicht die Kunst, schöne Worte zu finden, sondern vielmehr die Kunst, nichts mehr zu beschönigen.

Die drei Fragen, die dein Denken filtern

Gute Copy beginnt nicht mit Formulierungen, sondern mit Prüfungen.

  1. Kann ich es visualisieren?
  2. Kann ich es falsifizieren?
  3. Kann niemand sonst das sagen?

Diese drei Fragen sind ein Framework, aber vor allem sind sie ein Charaktertest.

Wenn du diese Fragen ernst nimmst, heben sich nicht nur deine Texte, sondern deine inneren Maßstäbe.

Kann ich es sehen?

„Bessere Zukunft“ ist abstrakt.

„Vom Sofa in acht Wochen zur ersten 5K“ ist ein Bild.

Eine konkrete Reise, die du vor Augen hast: eine Person, die sich nach Monaten vom Sofa hochkämpft, Schritt für Schritt.

Dasselbe in der Markenwelt:

„für schöne Menschen in Großstädten“ ist glatt und generisch.

„getragen von Supermodels in Berlin und Paris“ ist scharf und spezifisch:

Du siehst die Szene, du könntest sie zeichnen.

Je genauer du schreiben musst, desto ehrlicher wirst du zu dir selbst.

Du spürst plötzlich:

  • Will ich wirklich, was ich da verspreche?
  • Existiert dieses Bild in der Realität, oder nur in meiner Fantasie?

Konkretes Schreiben ist Zwang zur Wahrhaftigkeit.

Kann ich es falsifizieren?

Die zweite Frage ist noch unangenehmer:

Ist der Satz wahr oder falsch überprüfbar?

„Unsere Kunden lieben uns“ ist weich.

„94 % verlängern ihr Abo nach dem ersten Jahr“ ist messbar und riskant.

„If it cannot be proved wrong, it cannot be taken seriously.“

Das gilt in der Wissenschaft, im Business und in deinem eigenen Leben.

Sobald du falsifizierbar schreibst, legst du deinen Kopf auf den Block.

Du hörst auf, mit Adjektiven zu reden und beginnst, mit Beweisen zu arbeiten:

Grafiken statt Behauptungen, Beispiele statt Selbsterzählung.

Jemandem Gold verkaufen:

Du kannst sagen: „Gold ist eine sichere Anlage“ oder du zeigst den Chart der letzten 50 Jahre und den Preis beim letzten Crash.

Das eine ist Gerede.

Das andere ist Zeigen.

Gutes Copywriting ist: don’t talk, only point.

Kann niemand sonst das sagen?

Die dritte Frage trennt Austauschbarkeit von Identität:

„Wir machen Marketing, das wirkt“ könnte jede Agentur behaupten.

„Wir helfen introvertierten Selbstständigen, mit einem wöchentlichen Newsletter

100k im Jahr zu verdienen“ das ist eine Position.

„We don’t choose the product. We choose the image.“ – Ogilvy-Prinzip

Menschen kaufen nicht nur, was du anbietest, sondern die Geschichte, die sie sich dadurch über sich selbst erzählen.

Die Frage „Kann niemand sonst das sagen?“ zwingt dich, tiefer zu graben:

  • Welche Perspektive, welche Erfahrung, welches Risiko ist wirklich deins?
  • Welche Wahrheit würdest du auch dann sagen, wenn niemand klatscht?

In dem Moment, in dem du etwas formulierst, dass nur du sagen kannst, gibst du dir selbst eine klarere Kontur.




Von Sprache zu Identität zu Handlung

Copywriting ist mehr als Conversion-Optimierung.

Es ist ein System, das Denken in Handlung übersetzt. Eine Idee wird zu einem Satz. Der Satz zwingt dich zu einem Bild. Das Bild zwingt dich zu einer Entscheidung.

Die Qualität deiner Sätze bestimmt die Qualität deiner Entscheidungen.

„The quality of your life is the quality of your questions.“ – Naval Ravikant

Copywriting ist die Disziplin, deine Fragen radikal zu verschärfen.

Schlechte Copy fragt:

Wie klinge ich gut?

Gute Copy fragt:

  • Was ist hier wirklich wahr?
  • Was kann ich zeigen?
  • Was kann ich versprechen, ohne zu blinzeln?

Wenn du diese Fragen ehrlich beantwortest, verändert sich dein Handeln automatisch:

Du baust andere Angebote. Du triffst härtere Entscheidungen. Du akzeptierst weniger Ausreden von dir selbst.

Das Spiel mit deinem nächsten Satz

Mach aus diesem Essay kein Zitat, sondern ein Experiment:

  • Schreibe einen Satz über dein aktuelles Angebot, den du klar sehen kannst.
  • Formuliere ihn so, dass er wahr oder falsch sein kann.
  • Frag dich dann: Könnte das auch jemand anderes sagen?

Wenn ja, streich ihn.

„Most people use language to hide. Writers use language to reveal.“

Auf Masterclass-Level ist Copywriting kein Werkzeug mehr, um andere zu manipulieren, sondern ein tägliches Training, in dem du lernst, dich selbst nicht mehr zu belügen.

Die Sätze, die du nicht mehr akzeptierst, formen die Person, die du wirst.

Teil 2

Die meisten reden über Copywriting, als wäre es ein Talent.

Alex Hormozi beschreibt es eher wie eine Obsession:

Er sperrt sich tageweise ein, macht Kaffee, setzt Ohrstöpsel auf, zieht den Kalender leer und schreibt, bis seine Worte pro Stunde einbrechen. Nicht 45 Minuten „Deep Work“. Sechs, acht, zehn Stunden. Wieder und wieder. 19 Drafts für ein einziges Buch. Einen komplett neu geschrieben.

„If people saw how much work I put into my mastery, they wouldn’t think it’s so exceptional.“ – Michelangelo

Zwischen „Ich schreibe gern“ und „Ich baue zeitlose Assets“ liegen ein paar hundert Stunden im Hero’s Cave.

Und genau dort entscheidet sich, ob du nette Texte schreibst, oder Denkwerk, das Märkte verschiebt.

Schreiben als System, nicht als Stimmung

Hormozi trennt zwei Ebenen:

  • Ideen & Frameworks
  • Season of No & obsessive Praxis

Hormozi sagt, ungefähr ein Drittel seiner Bücher ist „already in his head“, zwei Drittel entstehen beim Schreiben.

Der Text ist nicht das Ergebnis des Denkens. Er ist der Ort, an dem das Denken passiert.

„I’m absolutely married to the truth, zero to how we get there.“ – Alex Hormozi

Beim Schreiben prallen Ideen aufeinander:

  • Zwei Prinzipien sind beide wahr, aber widersprechen sich.
  • Ein Framework klingt schlau, bricht aber in der Realität.
  • Eine Theorie ist gültig, aber völlig nutzlos.

Daraus baut er seinen inneren Filter:

Utility & Validity.

  • Valid = stimmt in vielen Situationen.
  • Useful = verändert Verhalten, Entscheidungen, Resultate.

„Manchmal klappt’s, manchmal nicht“ ist extrem valide und komplett nutzlos.

Dreiste Marketing-Hacks sind oft nützlich, aber nur in engen Kontexten, also nicht wirklich valide.

Die Kunst liegt im Schnittpunkt:

Prinzipien, die wahr genug sind, um zu halten und praktisch genug, dass jemand sie morgen anwenden kann.

Season of No

Hormozi baut seine Identität nicht über Affirmationen, sondern über seinen Kalender.

Wenn er schreibt, schaltet er fast alles aus:

  • Fünf freie Tage die Woche.
  • Meetings gebündelt auf zwei Tage.
  • Keine „kleinen Termine“ mitten im Tag.
  • Volle Tage, um sich im Text zu verlieren.

„Technology democratizes consumption and consolidates production.“ – Naval Ravikant

Gerade heutzutage, in der wenige die besten Bücher für alle schreiben, ist Mittelmaß im Prozess keine Option.

„Season of No“ ist kein Produktivitätshack.

Es ist eine Aussage über dich:

  • Bin ich jemand, der Content „unterbringt“?
  • Oder jemand, der sein Leben nach seinem Werk strukturiert?

Master the Middle

Hormozi schreibt ein Buch nicht, um „auch was da draußen zu haben“, sondern um Assets zu bauen, die in 20 Jahren noch verkauft werden.

Deshalb:

  • 10+ Drafts.
  • Kapitel gestrichen, obwohl sie „eigentlich wichtig“ waren.
  • Ganze Konzepte rausgeworfen, weil sie nicht operationalisierbar waren.

„How you launch a book shows how good you are at marketing. How it sells two years later shows how good the book is.“ – Alex Hormozi

Hier zeigt sich sein Leverage-Denken:

  • 10x mehr Aufwand im Buch → 100x mehr Wirkung über Word-of-Mouth.
  • Ein exzellentes Buch → globale Distribution ohne extra Adspend.
  • Ein starkes Framework → von allen kopiert, aber selten verbessert.

Exzellente Copy ist in dieser Logik nicht Aufwand, sondern Zinssatz auf alles, was du baust.

Pain, Formeln & die X-Ray-Brille

Die meisten Copywriter überschätzen das Versprechen und unterschätzen die Präzision des Schmerzes.

„Unzufrieden mit deinem Körper?“ – generisch.

„Du trägst am Strand den Ganzkörper-Overall, stellst dich bei Gruppenfotos in die zweite Reihe und deine Oberschenkel scheuern, wenn du fünf Minuten gehst.“ – das tut weh.

Wenn du den Schmerz eines Menschen so beschreiben kannst, dass er denkt: „Das kann er nur wissen, wenn er mich wirklich versteht“, dann ist der Schmerz selbst schon das Argument.

Formeln statt Floskeln

Hormozi reduziert komplexe Wirklichkeit auf wenige Variablen:

  • Leads entstehen über Core Four:

    1:1-Outreach, 1:many, Paid Ads, Content.

  • Angebote folgen einer Value Equation:

    Desired Outcome, Perceived Likelihood, Time Delay, Effort & Sacrifice.

  • Marketing-Strategien lässt er durch MECE-Filter laufen:

    „More, Better, Different.“

Warum ist das relevant für Copywriting?

Weil jede starke Formulierung auf einer klaren Gleichung im Hintergrund basiert:

  • Wenn du weißt, was du wirklich beeinflusst, kannst du Versprechen machen, die halten.
  • Wenn du die Hebel kennst, brauchst du keine Übertreibung.

Copywriting wird damit zur sichtbaren Oberfläche eines unsichtbaren Systems.

Dein persönlicher Hero’s Cave?

Wenn du Teil 2 nicht nur „inspirierend“ findest, sondern nutzen willst, mach daraus ein Spiel:

  1. Cave Season:

    Blocke dir diese Woche einen halben Tag ohne Termine.

    Keine Calls, kein Slack, keine Mails. Nur Text + Notizen.

  2. Utility & Validity-Test:

    Nimm ein Framework oder eine These von dir und prüfe:

    • In wie vielen Situationen ist das wirklich wahr?
    • In welchen konkreten Situationen hilft es jemandem, anders zu handeln?

    Was durchfällt, kommt weg oder wird geschärft.

  3. Pain is the Pitch-Übung:

    Schreibe 10 konkrete Szenen, in denen deine Zielgruppe Schmerz erlebt.

    Kein „Überfordert sein“. Szenen. Orte. Sätze. Momente.

  4. Master the Middle:

    Nimm einen deiner Texte und schreibe Draft 2, 3 und 4.

    Nicht, um ihn „schön“ zu machen, sondern, um ihn kürzer, konkreter und wahrer zu machen.




Dein Hero’s Cave ist nicht romantisch.

Es ist ein leerer Kalender, ein Dokument mit 12 Versionen desselben Absatzes und der Mut, halbe Wahrheiten zu löschen.

Wenn du das aushältst, wirst du irgendwann an dem Punkt stehen, an dem deine Worte nicht nur verkaufen, sondern erklären, wie “die Welt“ funktioniert.

Und Menschen hören nicht auf, diejenigen zu empfehlen, die ihnen die Welt klarer gemacht haben.

– Sandro

Ich hoffe, du konntest aus diesem Newsletter etwas für dich und deine Texte mitnehmen.

Falls du mehr erkunden willst: Blacklist

Wenn du deine eigene Welt bauen möchtest: Content Ecosystem Builder

 

Mentaler Nackenschlag gefällig?